Kann die SPD in Oschersleben ihre starke Position verteidigen?

Oschersleben war schon immer eine der Hochburgen der SPD im Landkreis Börde. Vor den anstehenden Kommunalwahlen treibt die Genossen die Frage um, ob das so bleiben wird.

Oschersleben – so könnte man es beschreiben – schwebte in den letzten Jahren zwischen Hoffnung und Resignation. Seit 2015 gibt es in der Bodestadt einen jungen Bürgermeister: Benjamin Kanngießer, der als parteiloser Bewerber für die Sozialdemokraten ins Rennen ging und sich seinerzeit mit 60 Prozent im ersten Wahlgang deutlich vor seinen Mitbewerbern durchsetzen konnte. Kindertagesstätten und Schulen werden saniert, ebenso der marode Bahnhof, der wieder zum Aushängeschild der beschaulichen Kleinstadt mit etwa 19.000 Einwohnern werden soll, und auch die alte Burg an den Ausläufern des Großen Bruches, einer Feuchtwiesenlandschaft, konnte erfolgreich instandgesetzt werden.

Und doch macht sich Resignation breit, läuft es in Oschersleben doch so wie fast überall im ländlichen Raum: Die Innenstadt stirbt nach und nach aus, und Leerstand macht sich breit. In zehn Jahren wird die Bevölkerung etwa zu einem Drittel aus Rentnern bestehen. Junge Menschen verlassen reihenweise die Stadt für Studium und Ausbildung – viele kehren nicht zurück. Diese brisante Ausgangslage, das enorme Spannungsverhältnis zwischen Optimismus und Trostlosigkeit, wird ihren Ausdruck auch in der anstehenden Stadtratswahl finden.

Bürgermeister Kanngießer gibt sich im Interview mit der Volksstimme derweil optimistisch, was die Entwicklungen der letzten Jahre in der Stadt angeht: „Zurückblickend kann man mit Fug und Recht behaupten, dass sich sehr viel getan hat. Allerdings kann man in einer so kurzen Zeitspanne nicht aufholen, was über Jahre versäumt wurde oder vorher einen anderen Stellenwert hatte“, blickt er zurück und ergänzt: „Wir haben unzählige Entscheidungen getroffen und zahlreiche Beschlüsse gefasst. Zum Beispiel war es mein Wunsch, den Ehrenamtspreis aus der Taufe zu heben und das ehrenamtliche Engagement der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich für ihren Verein, ihre Institution oder ganz einfach für andere Menschen einsetzen, entsprechend zu würdigen.“

SPD wirkt – etwa bei der Rettung des Freibades

Kanngießer blickt zuversichtlich in die Zukunft. Und tatsächlich scheint es, als gäbe es kommunalpolitisch Hoffnung – eng verknüpft mit dem Wirken der Sozialdemokratie vor Ort. Eines der großen Projekte seit 2014 war für die SPD-Fraktion im Stadtrat der Erhalt des örtlichen Freibades, das für Jung und Alt ein wichtiger Treffpunkt war und ist. Dieses Ziel konnte dank der Synergie zwischen einer Bürgerinitiative, ihren engagierten Initiatoren und der SPD in Oschersleben erreicht werden. Das Freibad steht, die SPD hat Wort gehalten. Jährlich lenkt sie zu ihrem traditionellen Fest am Tag der Arbeit den Fokus auf das Kleinod im Norden der Stadt. Und auch an Arbeitseinsätzen auf dem Gelände ist die SPD immer wieder beteiligt und initiierte jüngst auch die Gründung eines Fördervereins.

31,9 Prozent, so lautete 2014 das stolze Ergebnis für die SPD bei den Stadtratswahlen in Oschersleben. Das bedeutete seinerzeit 12 Mandate für die Fraktion, die aus erfahrenen Kommunalpolitikern wie Burkhard Kanngießer und damals neuen Gesichtern wie dem Fraktionsvorsitzenden Olaf Pankow besteht. Mit dem Resultat landete man 0,2 Prozentpunkte vor der CDU und konnte sich über den Wahlsieg freuen. In diesem Jahr wird aufgrund der gesunkenen Einwohnerzahl der Stadtrat von 36 auf nur noch 28 Sitze verkleinert. Das wirkt sich auch auf die SPD aus. Mit den zuletzt immer schlechter werdenden Ergebnissen im Bund und der Ausgangslage eines verkleinerten Stadtrates wird die Partei in Oschersleben aller Voraussicht nach das eine oder andere Mandat verlieren. CDU, Freie Unabhängige Wählergemeinschaft und auch die AfD machen Druck von rechts. Erfahrene linke Kommunalpolitiker und vom Bundestrend beflügelte Jung-Grüne werden von der anderen Seite versuchen, der SPD Plätze im Rat abzunehmen. Olaf Pankow, der neben dem Fraktionsvorsitz seit 2018 auch dem Ortsverein der Bodestadt vorsteht, gibt sich kämpferisch: „Wir wollen mindestens acht Mandate für die SPD holen.“

Zahl der Jusos wächst beständig

Helfen soll dabei neben der erfolgreichen Bilanz der letzten Jahre auch der „frische Wind“ der Parteijugend. Die Zahl der aktiven Jusos ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Die Jusos engagieren sich nicht nur im Wahlkampf, sondern übernehmen auch im Vorstand Verantwortung. Die neuen Ideen und Impulse können der SPD in Oschersleben helfen, an die alten Erfolge anzuknüpfen. Sarah Müller, 18-jährige Schülerin und seit 2017 Mitglied in der SPD, wird als junge Kandidatin den Schritt wagen, für den Stadtrat zu kandidieren. Sie sagt: „Bei einem Workshop der Stadt zum geplanten Jugendzentrum ist mir klar geworden, dass es an weiteren dieser ‚jungen‘ Ideen fehlt, um Oschersleben und die Ortschaften für alle attraktiver zu machen. Und genau das ist mein Ziel: Ich möchte auch die Meinung der jungen Leute einbringen, diese ansprechen und ihnen zuhören.“

Wahlziel Bürgerhaushalt

Neben dem geplanten Bau des Jugendzentrums steht für die SPD in Oschersleben ein weiteres Ziel im Vordergrund: Die Schaffung eines Bürgerhaushaltes. Direkte Mitbestimmung für die Menschen in konkreten Fragen kommunalpolitischen Wirkens verspricht sich der Ortsverein von dieser Idee. Ziel soll es sein, ein etwa 50.000 Euro starkes Budget im Haushalt einzustellen. Über die Verwendung könnten die Bürgerinnen und Bürger dann auf einem Stadtfest entscheiden, die Vorschläge würden zuvor eingereicht und von Seiten der Verwaltung geprüft werden. Oschersleben kann in den nächsten Jahren also von Kontinuität und Innovation gleichermaßen profitieren. Eine Rolle dabei wird spielen, wie stark der Rückenwind der Wähler für die Arbeit der SPD in der Stadt sein wird. Das Motto der Sozialdemokraten: „Wir von hier – gemeinsam für Oschersleben“.