Tausende unterstützen SPD-Initiative für kinderärztlichen Notdienst in der Börde

Die Jusos Börde und der SPD-Kreisverband haben Ende April eine Petition ins Leben gerufen, in der die Wiedereinführung eines kinderärztlichen Notdienstes gefordert wird. Etwa 3.000 Unterstützerinnen und Unterstützer in wenigen Wochen machen deutlich, dass mit der Unterschriftensammlung ein Nerv getroffen wurde.  Von Lennart Birth.

Auf OpenPetiton findet sich die digitale Unterschriftensammlung

Die Gesundheitsinfrastruktur ist für den ländlichen Raum ein brisantes Thema. Sachsen-Anhalt ist nicht nur ein Flächenland, sondern nach der Wiedervereinigung wie der gesamte Osten stark von Abwanderung betroffen gewesen. Jüngste Zahlen der ZEIT beweisen dies eindrucksvoll: 73 von 76 ostdeutschen Regionen haben seit 1991 Einwohner eingebüßt. An vierter Stelle kommt mit Dessau-Roßlau eine kreisfreie Stadt aus Sachsen-Anhalt – 13,3% der Bevölkerung sind dort in die alten Bundesländer abgewandert. Auf Platz 34 findet sich die Börde, auch hier haben seit den 90ern immerhin fast acht Prozent ihre Sachen gepackt und „rübergemacht“.

Bei der ärztlichen Versorgung wird das besonders deutlich. Immer weniger Fachärzte und monatelange Wartezeiten für Patienten sind ein Folge der Binnenmigration zulasten Sachsen-Anhalts. Während alte Mediziner nach und nach in den Ruhestand gehen, fehlt auf dem Land der Nachwuchs. Und das hat Auswirkungen: Im gesamten Landkreis Börde gibt es seit einigen Jahren keinen kinderärztlichen Notdienst mehr, in der Kreisstadt Haldensleben wurde er etwa 2016 eingestellt. Die Begründung: Zu wenig Kinderärzte.

Für die Sozialdemokratin Katharina Zacharias, die dort mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern lebt, ein unhaltbarerer Zustand, den sie nicht länger hinnehmen wollte. Das Problem: Der reguläre Bereitschaftsdienst verweigert aufgrund von Überlastung und immenser Verantwortung häufig die Behandlung kranker Kinder. So müssen Eltern lange Fahrtwege zum nächsten Bereitschaftsdienst auf sich nehmen, etwa nach Magdeburg, Gardelegen oder sogar Wolfsburg.

Ende April startete Zacharias eine Petition, die sich an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalts richtet. Dort fordert sie die Wiedereinführung eines kinderärztlichen Notdienstes. Über ihre Motivation sagt  Zacharias: „Machen statt meckern, das müssen wir wieder verinnerlichen. Und der große Zuspruch auf die Petition zeigt mir, dass wir hier den richtigen Weg gehen. Dass Familien aktuell auf ein Auto angewiesen sind, um mit dem kranken Kind weite Strecken zurückzulegen, ist ein unhaltbarer Zustand.  Bei uns kommt erschwerend hinzu, dass wir nur eins besitzen, das mein Mann benötigt, um zur Arbeit zu kommen. Wir brauchen vor Ort einen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst!“

Dafür rührt sie zusammen mit den Jusos über Tage und Wochen die Werbetrommel. Zacharias wirbt nicht nur bei Veranstaltungen der SPD, etwa dem Freibadfest am 1. Mai in Oschersleben oder einem Bürgergespräch der Landtagsfraktion in Weferlingen, für ihr Anliegen. Auch auf der Straße, in Kindertagesstätten und Geschäften informiert sie Bürgerinnen und Bürger und sammelt unermüdlich Unterschriften. Circa 3.000 sind es mittlerweile, die online und analog zusammengekommen sind.

Katharina Zacharias (rechts) und Juso-Kreisvorsitzender Philipp Neuendorf mit einem Infostand in Wanzleben

Und wie soll es weitergehen? Das ehrgeizige Ziel, so Zacharias, sind 20.000 Unterschriften. Das wären über 10% der Einwohner des Landkreises Börde, der fast so groß wie das Saarland ist. Politiker wie die Landtagsabgeordnete Silke Schindler (SPD) oder Kreistagsvorsitzender Dr. Ernst Isensee (CDU) begrüßen das Vorhaben ebenso, wie eine Kinderärztin aus Oschersleben. Nun gelte es, den Druck auf die Kassenärztliche Vereinigung zu erhöhen, damit sich diese des Themas annimmt. Ein attraktiver ländlicher Raum braucht eine angemessene ärztliche Versorgung, das hat die Petition bereits jetzt deutlich gemacht.

Weiterlesen: Ein ausführlicher Bericht der Volksstimme über das Thema und die Pressemitteilung der Jusos Börde zur Initiative.