Andreas Steppuhn: „Wir wollen Freiwilligendienste wertschätzen und attraktiver machen!“

Im Landtag von Sachsen-Anhalt war kurz vor der parlamentarischen Sommerpause die Situation der Freiwilligendienstleistenden ein Thema. Andreas Steppuhn von der SPD-Landtagsfraktion wünscht sich Verbesserungen für Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Jahres und des Freiwilligen Ökologischen Jahres. Im Interview mit Lennart Birth, der selbst ein FSJ im Landtag absolviert, fordert er mehr Wertschätzung für das bürgerschaftliche Engagement der Freiwilligen.

vornewech: Andreas, wieso hat die SPD-Fraktion gemeinsam mit den Koalitionspartnern einen Antrag zu den Freiwilligendiensten eingereicht? Bestand da eine Notwendigkeit?

Andreas Steppuhn: Den Antrag wollten wir Sozialdemokraten schon vor Monaten einreichen. Leider haben Teile der Koalition das blockiert, sodass wir erst jetzt kurz vor der Sommerpause aktiv werden konnten. Im Kern geht es um die Freiwilligendienstleistenden in Sachsen-Anhalt, also hunderte junge engagierte Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, die sich im sozialen Bereich, in der Kultur, in Bildung, Denkmalpflege oder Ökologie einbringen. Wir wollen, dass ihre Arbeit besser wertgeschätzt wird. Eine Notwendigkeit besteht auf jeden Fall – insbesondere im Bereich Mobilität.

Aus eigener Erfahrung kann ich da nur zustimmen. Aber kannst du den Leserinnen und Lesern erklären, wieso gerade dort?

Aktuell erhalten die bundesweit 56.000 Freiwilligendienstleistenden eine Vergütung von maximal 390 Euro im Monat. Meistens liegt sie jedoch deutlich darunter, das variiert von Träger zu Träger und Bundesland zu Bundesland. Gut und gerne ein Drittel dieses Geldes fließt bei etlichen der Teilnehmer von FSJ und FÖJ in Fahrkarten für Bus und Bahn, damit sie überhaupt zu ihrer Einsatzstelle gelangen. Sachsen-Anhalt ist davon durch seine ländliche Prägung besonders betroffen. Ich will, dass wir den jungen Menschen, die sich gesellschaftlich einbringen wollen, keine Steine in den Weg legen und deshalb dort Abhilfe schaffen.

Also wird das Land jetzt die Fahrkarten bezahlen?

Ganz so einfach ist das nicht. Über die Rahmenbedingungen der Freiwilligendienste und zusätzlich des Bundesfreiwilligendienstes entscheidet die Bundesebene. Glücklicherweise haben wir dort mit Franziska Giffey eine tolle Ministerin an den Schalthebeln sitzen. Sie möchte eine generelle Aufstockung der Vergütung auf pauschal 402 Euro und einen Fahrtkostenzuschuss erwirken. Landesseitig haben wir die Landesregierung nun erfolgreich aufgefordert, das zu unterstützen. Und wir wollen die kommunale Ebene einbinden.

Mit der kommunalen Ebene meinst du die Verkehrsverbünde, kreisfreien Städte und Landkreise, die den ÖPNV koordinieren.

Ganz genau. Da wird es nun Gespräche mit der Landesregierung und besagten Akteuren geben. Wir wollen erreichen, dass die kommunale Ebene für den Personennahverkehr bestehende Vergünstigungen auf die Freiwilligendienstleistenden ausweitet. Das wäre ein erster guter Schritt. Jetzt müssen wir sehen, ob dazu Bereitschaft vorhanden ist und notfalls ein bisschen nachhelfen.

Wieso überhaupt der ganze Aufwand für ein paar Hundert Betroffene?

Nun, wir verfolgen da eine ganzheitliche Strategie. Es ist doch so: Wenn wir junge Menschen in Sachsen-Anhalt halten wollen, müssen wir attraktive Rahmenbedingungen schaffen. Das gilt für Schüler, Studenten, Azubis – aber eben auch für Freiwilligendienstleistende. Mobilität eröffnet diesen jungen Menschen Möglichkeiten und Perspektiven und sorgt für ein lebenswerteres Sachsen-Anhalt.

Hinzu kommt der große Wert von Freiwilligenjahren: Die Sozialkompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird verbessert und sie lernen, wie es ist, zu arbeiten. Auch die Gesamtgesellschaft profitiert: Die Einsatzstellen können junge kluge Köpfe und ihre Ideen in den Arbeitsalltag einbinden. Der Wert bürgerschaftlichen Engagements für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist erheblich und davon sind die Freiwilligendienste ein wichtiger Teil.

Herzlichen Dank!