Mit 78,9 Prozent als Bürgermeister wiedergewählt

5 Fragen an den Landesvorsitzenden der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK), Andreas Dittmann

Lieber Andreas,  auch als Landesvorsitzender kommst du an der Einstiegsfrage nicht vorbei. Kannst du dich kurz vorstellen? Wer bist du, was machst du?

Nun, zunächst bin ich Andreas Dittmann, noch 51 Jahre alt, seit 2002 Mitglied der SPD, von 1985 bis 1992 war ich Mitglied der SED bzw. PDS. Ich arbeite seit 1988 bei der Stadt Zerbst/Anhalt, zunächst als Jugendclubleiter, Stadtjugendpfleger und viele Jahre als Amtsleiter für Kultur, Schule und Sport. Im Jahr 2012 stellte ich mich das erste Mal zur Wahl für das Amt des Bürgermeisters, das ich damals gegen drei Mitbewerber im ersten Wahlgang mit rund 55 Prozent errang. Ich bin in Zerbst geboren, dort zur Schule gegangen, habe dort meine erste Berufsausbildung als Maschinenbauzeichner absolviert und bin Zerbster mit Herz und Seele.

Seit 2012 bist du Bürgermeister der Stadt Zerbst/Anhalt. Was waren denn die Höhepunkte oder herausragende Momente in den letzten sieben Jahren? Und was ist bisher noch nicht ganz so gut gelaufen?

Zu den kommunalpolitisch ganz besonderen Momenten zählt die Verfassungsbeschwerde gegen das Land Sachsen-Anhalt vor dem Bundesverfassungsgericht. Ich fand mich in der Situation wieder, quasi das Schlussplädoyer für die Kommunen zu halten. Verfassungsrechtlich haben wir mit diesem Verfahren für alle Gemeinden in der Bundesrepublik ein Stück Rechtsgeschichte mitgeschrieben, in der Sache hatten wir aber leider nicht das gewünschte Ergebnis.

Lokal war meine Idee der Wiederaufführung bzw. Neuinszenierung des Zerbster Prozessionssspiels von 1507 im Jahr 2017 wohl das Bemerkenswerteste. Mit enorm viel Unterstützung aus allen Ortsteilen haben am Ende 430 Mitwirkende ein Stück Stadtgeschichte auf die Bühne gebracht.

Zu dem was nicht so gut geklappt hat, zähle ich den Breitbandausbau. Wir gehören in Zerbst zwar zu den Städten, die fast als erste mit tragfähigen Konzepten und Anträgen an den Start gingen, aber die Umsetzung zieht sich eben hin. Da bin ich mindestens genauso ungeduldig, wie die Bürgerinnen und Bürger, die auf einen vernünftigen Breitbandanschluss warten.

Was mich in besonderem Maße umtreibt, ist das deutsch-russische Verhältnis. Am Beispiel Katharina II. sehen wir, wie eng Deutschland und Russland seit Jahrhunderten verbunden sind. Dass wir jetzt so tun, als wäre Russland nicht nur kein Teil Europas, sondern sogar ein Feind, macht mich wütend.

Im Mai haben dich die Zerbster Bürgerinnen und Bürger mit 78,9 Prozent in deinem Amt als Bürgermeister bestätigt. Das ist ein herausragendes Ergebnis, herzlichen Glückwunsch dazu! Worauf habt ihr im Wahlkampf vor Ort gesetzt?

So hart das klingen mag, aber es gehört zur Wahrheit dazu, nicht wenige Bürgerinnen und Bürger haben mich gewählt, obwohl ich Mitglied der SPD bin. Der Wahlkampf war aus meiner Sicht nicht das Entscheidende. Maßgebend war meine Arbeit als Bürgermeister in den vergangenen sieben Jahren. Das kann durch kein Plakat und durch keine Onlinekampagne ersetzt werden. Ich führe das Bürgermeisteramt mit großer Leidenschaft und viel Freude aus, und das konnte ich offenbar auch glaubhaft vermitteln. Bürgernähe, Zuhören können, die Sorgen der Menschen ernst nehmen, aber auch ehrlich sagen, wenn etwas nicht geht, das sind für mich Grundvoraussetzungen erfolgreicher Kommunalpolitik.

Jetzt bist du für sieben Jahre wiedergewählt. Welche Herausforderungen kommen auf die Stadt Zerbst zu? Was hast du dir für die kommenden Jahre vorgenommen?

Thema Nr. 1 bleibt für uns die Umsetzung der Gemeindegebietsreform aus dem Jahr 2010. Bis aus Zerbst und den ehemaligen 24 selbständigen Gemeinden mit 56 Ortsteilen eine gelebte Einheitsgemeinde wird, wird es noch einiges an Zeit und intensiver Arbeit brauchen. Dazu zählt auch, dass wir für die gesamte Stadt einen Flächennutzungsplan auf den Weg bringen müssen. Das wird uns neben dem Tagesgeschäft schwer beschäftigen.

Zum Schluss etwas zum Schmunzeln. Gibt es eine lustige Anekdote aus deinen Jahren als Bürgermeister, von der du uns erzählen kannst?

Absurditäten gibt es natürlich einige. Aber so richtig dumm gelaufen ist die Vorbereitung auf eine überörtliche Überprüfung unseres Wasser- und Abwasserzweckverbandes, dessen ehrenamtlicher Geschäftsführer ich bin, durch den Landesrechnungshof. Durch eine Vertretungssituation in meinem Vorzimmer wurde einerseits terminlich die Vorberatung darauf angesetzt, aber eine zeitliche  Dopplung übersehen, dass zeitgleich die Prüfgruppe des Landesrechnungshofes starten wollte. Im Eifer der Beratung habe ich den Hinweis meiner Sekretärin überhört, dass jemand vom Rechnungshof warten würde. Am Ende standen die Herren eine halbe Stunde auf dem Flur und wurden immer ungehaltener. Der Chef der Prüfungsgruppe eröffnete die Auftaktberatung dann damit, dass ihm dies in 20 Jahren nicht passiert sei. Ich antworte selbstironisch, dass er mal sehen kann, mit welch ruhigem Gewissen wir der Prüfung entgegen sehen. Zur Entspannung der Situation führte dann die Einsicht, dass wohl niemand ernsthaft so dämlich sein könne, derart mit einer Prüfgruppe des Landesrechnungshofes umzugehen.

Das Interview führte SGK-Landesgeschäftsführer Philipp Neuendorf. Es erschien zuerst in der Printausgabe von DEMO, dem sozialdemokratischen Magazin für Kommunalpolitik.

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