Katharina Zacharias

Kandidatin für den Landesvorsitz

Alter:
29

Wohnort:
Haldensleben

Familie:
verheiratet, 2 Kinder

Beruf:
gelernte Köchin

Ortsverein:
Haldensleben

SPD-Mitglied seit:
2017

Aktuelle Parteifunktionen/öffentliche Ämter:
Stadträtin

Weiteres gesellschaftliches Engagement:
Petition zur Wiedereinführung eines kinderärztlichen Notdienstes im Landkreis Börde, Kita-Elternsprecherin, Vorstandsmitglied im Städtepartnerschaftsverein, Unterstützerin des örtlichen Kinderschutzbundes

Ich bin ein Mensch, der sich nicht mit halben Sachen zufrieden gibt. Durch meine berufliche Tätigkeit in der Gastronomie war meine Freizeit lange sehr begrenzt. Aus diesem Grund bin ich auch erst nach meinem Umzug nach Sachsen-Anhalt und somit zur Arbeitsstätte meines Mannes der SPD beigetreten. Eine Mitgliedschaft kam für mich erst in Frage, als ich dazu in der Lage war, diese mit Leben zu füllen.

Welche drei Probleme in Sachsen-Anhalt müssen wir als SPD am dringendsten anpacken?

  • strukturelle Stärkung des ländlichen Raumes
  • Strukturwandel im Burgenlandkreis
  • gesunde Ernährung als Frage der sozio-ökonomischen gesellschaftlichen Stellung

Was meinst Du, in welchem Bündnis auf Landesebene die SPD ihre Ziele am besten verwirklichen kann?

Ich empfinde es als unglaubwürdig, wenn wir medienwirksam den Ausstieg aus der GroKo auf Bundesebene fordern, aber im Land nach der nächsten Wahl wieder mit der CDU koalieren würden. Dass die Schnittmengen mit der CDU aufgebraucht sind, ist ja ein offenes Geheimnis. Wir müssen also nach anderen Bündnispartnern suchen. Deshalb sollten wir auch dringend die Frage nach Rot-Rot-Grün offen und ehrlich diskutieren. Alternativ hat Sachsen-Anhalt ja auch gute Erfahrungen mit einer Minderheitsregierung gemacht; das wäre also im Zweifelsfalle auch eine Option.

Wie können wir als SPD wieder mehr politisches Profil gewinnen und „rüberbringen“? Wie können wir den Einfluss der AfD zurückdrängen?

Wir müssen unsere Bürgernähe wiedergewinnen. Leider sind wir dazu übergegangen, über die Menschen zu reden, anstatt mit ihnen. Wir bemühen uns, Probleme zu lösen, schaffen es jedoch nicht immer, dies den Menschen zu vermitteln. An dieser Stelle hat uns die AfD leider etwas voraus. Sie versteht sich darauf Ängste zu schüren, zu instrumentalisieren und sich als Kümmerer aufzuspielen. Wir können nicht alle Probleme auf einmal lösen. Aber wir können aufrichtiges Interesse an den Schicksalen der Einzelnen und Problemen vor Ort zeigen. Nur durch Nahbarkeit können wir für die Menschen wieder glaubhafte Ansprechpartner für ihre Ängste werden. Und nur, wenn wir diese Ängste auch ernst nehmen, können wir das verlorene Vertrauen zurückgewinnen.

Wie stellst Du Dir die Zusammenarbeit in der Doppelspitze vor?

Die Doppelspitze gibt uns nicht nur die Möglichkeit, die Last und die Termine besser zu verteilen, sie bietet uns auch viele neue Chancen. Wir haben die Gelegenheit, Erfahrung mit einem neuen Blickwinkel zu kombinieren. Für mein Dafürhalten wäre ein Team aus einem Ehrenamtler und einem Berufspolitiker erstrebenswert. Wenn dann noch einer von beiden eine Identifikationsfigur für junge Wähler darstellt, wäre das für unsere Partei optimal. Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe einer Doppelspitze, sich gegenseitig zu inspirieren und neue Denkanstöße zu geben. Das geht allerdings nur, wenn es dabei zwei unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen. Eine Selbstverständlichkeit ist für mich, dass man sich als Partner gegenseitig den Rücken freihält und Unterstützung bietet.

Was willst Du als Landesvorsitzende tun, um unsere Mitglieder zu motivieren, zu informieren und zusammenzuhalten?

Uns steht eine Landtagswahl bevor, die uns allen einiges abverlangen wird. Um das leisten zu können, müssen wir gestärkt und solidarisch zusammenstehen. Als erstes will ich Antrittsbesuche in allen KVs und SVs machen. Ich möchte gerne von unseren Mitgliedern persönlich hören, was sie für Probleme und Sorgen vor Ort haben und ich möchte wissen, was sie sich von ihrem Landesverband wünschen, um gut und effektiv arbeiten zu können. Außerdem wünsche ich mir Ortsvereinspatenschaften. Auf diese Weise gelingt es uns hoffentlich, eher kleine oder inaktive OVs zu unterstützen und wiederzubeleben. Dafür müssen wir aber auch genau diese OVs gezielt ansprechen! Die Kommunikationswege innerhalb unseres Landesverbandes möchte ich evaluieren, um so zu erfahren, wie wir die Mitglieder zukünftig besser erreichen und mobilisieren können. Auch die Präsenz in den sozialen Netzwerken beabsichtige ich, auszubauen.

Was ist Deine Position zu den Themen…

…„schwarze Null“:
Ich verstehe den Gedanken, zukünftigen Generationen keinen unüberwindbaren Schuldenberg hinterlassen zu wollen. Auch die Herausforderungen der Rückzahlung müssen bedacht werden. Wir stehen allerdings vor enormen Herausforderungen in Bereichen wie Bildung, ÖPNV oder dem Gesundheitswesen. Dort müssen Investitionen getätigt werden. Es stellt sich also die Frage, ob wir unseren Kindern lieber eine „schwarze Null“ oder ein funktionierendes Land hinterlassen wollen.

…Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West:
Die Forderung nach der Angleichung der Lebensverhältnisse von Ost und West muss auch 30 Jahre nach der Wende noch gestellt werden. Nach wie vor kategorisieren Studien, Politik und Medien, aber auch die Menschen selbst, noch in Ost und West. Selbst in meiner Generation identifizieren sich viele junge Menschen nach wie vor stark mit Ostdeutschland. Das ist auch nötig. Sogar in der SPD, die sich Solidarität auf die Fahnen schreibt, gab es etwa keine Liste bei der Europawahl, die den ostdeutschen Ländern größere Chancen eingeräumt hätte. Bei Bundesparteitagen stellen alle neuen Bundesländer zusammen nicht mal 6% der Delegierten. Und das, obwohl knapp 20% der deutschen Bevölkerung hier leben. Solche innerparteilichen Zerrbilder müssen angesprochen werden. Wenn selbst wir uns nicht dazu durchringen können, Solidarität mit den schwächeren Verbänden zu zeigen, wie können wir das dann von den Bürgern erwarten? Allgemein gilt: Nicht schämen, nicht aufgeben! Gehen wir die Herausforderungen gemeinsam an. Ob bei der Forderung nach gleichen Löhnen und Renten oder nach mehr Bundesinstitutionen im Osten – Selbstbewusstsein ist gefragt!

…Zukunft des Sozialstaats:
Für die Zukunft des Sozialstaates haben wir als SPD schon vielfältige Vorschläge gemacht. Leider scheitern diese häufig an unserem Koalitionspartner auf Bundesebene, sei es die Bürgerversicherung oder ganz aktuell die Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung. In Zeiten des demografischen Wandels muss über das Rentensystem und den Generationenvertrag nachgedacht werden. Auch eine finanzielle Starthilfe für junge Menschen – ein Zukunftskonto für Ausbildung, Führerschein oder Bildungsreisen – sollte Teil unserer Überlegungen sein. Mit angezogener Handbremse lässt sich der Sozialstaat nicht neu aufstellen!

…Lehrermangel:
Überfüllte Klassen, Lehrvideos und Quereinsteiger können nicht die Lösung sein. Um dem Lehrermangel langfristig Herr zu werden, bedarf es einer Reformierung des Lehramtsstudiums: Wir brauchen mehr Praxisbezug des Studiums schon vor dem Referendariat, um die Abbrecherquoten zu senken. Auch eine grundlegende Reform, um die Studiengänge nicht mehr nach Schulformen zu kategorisieren, sondern nach Altersgruppen, sollte eine Überlegung wert sein. Dies würde das von uns angestrebte Konzept der Gesamtschule begünstigen.

…Strukturwandel, Klimaschutz und Mobilität:
Der Strukturwandel ist von allen aktuellen Themen vermutlich das, welches uns eine Verschleppung in die Zukunft am übelsten nehmen würde. Mit dem Klimaschutz müssen wir besser heute als morgen beginnen, dabei jedoch auch den Betroffenen Rechnung tragen. Wie tief zum Beispiel die emotionale Verwurzelung mit dem Bergbau sein kann, kenne ich aus dem Erzgebirge, der Heimat meines Mannes. Konsequenz, Zuverlässigkeit und Fingerspitzengefühl sind hier gefragt. Die Bundesmittel für den Kohleausstieg müssen in den Regionen ankommen und sinnvoll in die Wirtschaft und Infrastruktur investiert werden. Anreize für umweltfreundliche Unternehmen und Technologien müssen ausgebaut werden. Auch die Rekultivierung der Tagebaue ist zu prüfen. Der ÖPNV als verbindendes Element zwischen Stadt und Land und Garant für Mobilität darf nicht aus ökonomischen Gründen verschlankt werden. Da dies jedoch alles langwierige Prozesse sind, dürfen wir jetzt keine Zeit mehr verlieren.

…Abschaffung von Kita-Gebühren:
Die Entlastung von Familien sollte weiter eine unserer Prioritäten sein. Deshalb befürworte ich die Abschaffung der Kita-Gebühren. Zeitgleich würde ich gerne die Caterer zur Umsetzung der DGE-Richtlinien für Kita- und Schulverpflegung verpflichten. Wir sollten allen Kindern einen möglichst gesunden Start ins Leben ermöglichen, um sie so vor den langfristigen gesundheitlichen, sozialen und oft auch wirtschaftlichen Folgen von einer ungesunden Ernährung, starkem Übergewicht und damit verbundenen Erkrankungen zu schützen.

…Sicherheit und Ordnung im Lebensalltag der BürgerInnen:
Was können wir gegen die gefühlte Unsicherheit tun? Das Thema ernst nehmen! In der Fläche dürfen keine Polizeireviere geschlossen werden und die schlechten Interventionszeiten müssen angegangen werden. In den Großstädten ist mehr Präsenz an den Brennpunkten, wie dem Hasselbachplatz, gefragt. Um den Polizeiberuf attraktiver zu machen, müssen wir heimatnahe Einstellungen ermöglichen und so die Vereinbarkeit mit der Familie gewährleisten. Mit der Dienstvereinbarung zu familienfreundlichen Arbeitszeiten wurde hier schon die richtige Richtung eingeschlagen. Politik und Gesellschaft sind außerdem gefragt, den abnehmenden Respekt gegenüber Polizisten und Rettungskräften wirksamer zu bekämpfen.

…Digitalisierung:
Die rasante technische und digitale Entwicklung stellt unsere Demokratie vor große Herausforderungen. Die Baustellen sind vielfältig: schlecht ausgebaute Funknetze, mangelnde Ausstattung der Schulen mit zeitgemäßen PCs, schlechte Anschlussraten beim Breitbandausbau. Die hohen Anschlussgebühren von Telekom und Co. führen dazu, dass der kommunale Straßenausbau zwar voranschreitet, am Ende das schnelle Internet aufgrund geringer Anschlussraten jedoch nicht in jeden Haushalt gelangt. Hier gilt es zu fördern und zu unterstützen. Auch in den Schulen gibt es viel zutun: Der Umgang mit PC und Internet zum Kompetenzerwerb muss heute ein Grundbaustein der schulischen Bildung werden. Wie gut unsere Kinder auf die Lebenswirklichkeit vorbereitet werden, darf nicht davon abhängen, ob sie eine nach neusten Standards sanierte Schule besuchen können oder nicht. Alle Kinder verdienen die gleichen Chancen.

Was sollten unsere Ziele für die Zukunft des ländlichen Raums und für die Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse sein?

Den ländlichen Raum aufzugeben, wie zuletzt in einer IWH-Studie empfohlen, halte ich für den komplett falschen Weg. Wir müssen uns stattdessen dafür einsetzen die vorhandenen Strukturen im ländlichen Gebiet zu erhalten, zu stärken und auszubauen.

Eine gute Möglichkeit, die Daseinsvorsorge auf dem Land in Zukunft abzusichern, ist die weitere Förderung von Dorfzentren. Solche Dorfzentren macht ihre Vielseitigkeit so reizvoll. Sie kombinieren Einkaufsmöglichkeiten mit sozialen Treffpunkten, Arztpraxen, Poststelle und Veranstaltungsräumen. So können wir gezielt Anker- und Begegnungspunkte schaffen und Leben in kleine Dorfgemeinschaften bringen. Selbstverständlich gehört zu gleichwertigen Lebensverhältnissen auch eine vernünftige Anbindung durch den ÖPNV. Hierzu müssen wir sicherstellen, dass mindestens die Orte der Verbands- und Einheitsgemeinden miteinander vernetzt sind. Gleichzeitig muss in jedem größeren Ort die Möglichkeit bestehen, die nächste Stadt auch ohne Auto zu erreichen. Zur Lösung des Mobilitätsproblems auf dem Land könnten auch Carsharing-Modelle beitragen. Untrennbar mit dem ländlichen Raum ist das Ehrenamt verbunden. Besonders gefordert ist es schließlich an den Orten, wo die staatlichen Strukturen enorm schwach aufgestellt sind. Um das Ehrenamt stärker zu würdigen, ist die flächendeckende Einführung der Ehrenamtskarte, mit den damit verbundenen Vergünstigungen, eine gute Variante. Vier Städte mit einer solchen Karte dürfen lediglich als Anfang und nicht als Ziel betrachtet werden.

Wie können wir die SPD im ländlichen Raum stärken?

Wir haben durchaus viele OVs und KVs mit guten Ideen und einer hohen Aktivität. Diese gilt es, in ihren Handlungen zu fördern und zu bestärken, denn von ihnen profitiert die Gesamtheit der Landespartei. Für erfolgreiche Projekte und gute Ideen bedarf es Unterstützung und Wertschätzung durch den Landesvorstand. Ansonsten brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn uns diese engagierten Mitglieder mit der Zeit wegbrechen, weil sie ihre Arbeit als nicht gewürdigt empfinden. Die bereits erwähnten Ortsvereinspatenschaften können in strukturschwachen Regionen helfen, uns als Gemeinschaft anspornen und Verständnis schaffen.