30 Jahre, 30 Mitglieder: Angela Leuschner (eingetreten 1997)

1990 wurde der SPD-Landesverband Sachsen-Anhalt gegründet. Wir haben 30 Mitglieder aus 30 Beitrittsjahren nach ihren Motiven, Erfahrungen und Zukunftserwartungen gefragt.

Wie bist du zur SPD gekommen?

…eigentlich wie die Jungfrau zum Kind. Ich suchte nicht selbst; man hat mich gefunden. Eingetreten in die SPD bin ich 1997. Einige Jahre zuvor entschieden mein Mann und ich mich, nach Oebisfelde zu ziehen. Wir sind beide dort nicht aufgewachsen und waren deshalb auch nur wenig bekannt. Am Gartenzaun führte ich häufiger Gespräche mit einem Mann, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte. Dieser Mann war Jörg Stade, ein Genosse der ersten Stunde in Oebisfelde. Wir führten interessante Gespräche darüber, wie es in unserer Gemeinde, in unserem Land weiter voran gehen könnte, tauschten Meinungen und Ideen aus. Eines Tages frug er mich, ob ich nicht Lust hätte, mich ein wenig tatkräftiger und wirkungsvoller einzumischen und für die SPD für den Stadtrat zu kandidieren. Ich lächelte und erwiderte mit der gebotenen Skepsis, dass ich aufgrund meines Zuzugs einen geringen Bekanntheitsgrad in der Region hätte und damit meine Erfolgsaussichten eher gering seien. Allerdings, wenn ich kandidieren sollte, käme für mich schon damals nur die SPD in Frage.

Gesagt getan. Ich kandidierte auf der SPD Liste für den Stadtrat in Oebisfelde und schaffte den Einzug in das städtische Parlament natürlich nicht auf Anhieb. Ich begann als berufene Bürgerin im Sozialausschuss mitzuarbeiten und besuchte regelmäßig die Ortvereinsveranstaltungen der SPD. Noch in der laufenden Legislaturperiode (1997) zog ich als erste Nachrückerin in den Oebisfelder Stadtrat ein und entschied mich dann auch dafür Genossin zu werden. Seit 1997 bin ich nun ununterbrochen im Stadtrat und verschiedenen anderen politischen Gremien als überzeugte Genossin tätig. 

Was war für dich das wichtigste politische Ereignis?

In den vergangenen Jahren waren es zuvorderst Personen, die mich besonders prägten. Da seien vor allen Dingen meine politischen Zieheltern aus Oebisfelde genannt: Ilse und Bernd Schuster. Ilse war Lehrerin und Bernd Kinderarzt. Ebenfalls im Oebisfelder SPD Ortsverein Genossen der ersten Stunde. Beide beeindruckten mich in ihrer Persönlichkeit und hatten in ihrem Auftreten und Agieren eine enorme Vorbildwirkung auf mich. Sie brachten mir politisch das „Laufen“ bei und sorgten dafür, dass die Hindernisse auf meinem Weg immer überwindbar waren. 

Ein besonders prägendes Ereignis für mich war die Kandidatur für den Landtag im Jahr 2016. Ich machte in wenigen Monaten enorm viele Erfahrungen: gute sowie weniger gute. Ich hatte viele interessante Gespräche, musste Beschimpfungen erdulden und hatte das Gefühl, wochenlang nur zu frieren, denn es war ein Winterwahlkampf. Schlussendlich bleiben die positiven Dinge in der Erinnerung verhaftet und die negativen Erfahrungen sind immerhin persönlichkeitsbildend. 

Wie siehst du die Zukunft der SPD?

Die SPD ist eine Partei mit einer traditionsreichen und langjährigen Vergangenheit. Ich hege die Hoffnung und habe die feste Überzeugung, dass sie gleichfalls eine Partei der Zukunft ist und eine Partei, die unsere Zukunft gestalten wird. Die SPD muss auch in der Zukunft die sozialen Themen priorisieren. Denn hier geht es um Menschen, um deren Lebensverhältnisse, um Chancen, um Bildung, insgesamt darum, Zuversicht für die Zukunft zu befördern. Parteienpolitik darf dabei nicht abgehoben sein. Sie benötigt dazu den Dialog. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass der eingeschlagene basisdemokratische Weg ausgebaut und weitergeführt wird. Die altehrwürdige Dame SPD, wie wir sie alle gern nennen, braucht die „alten“ Erfahrungen, das Wissen und die Weisheit und gleichzeitig die „jungen“ Ideen, ungestümes Vorwärtsdrängen, das Infrage stellen und Lust darauf, Verantwortung für das Leben in unserer Republik, in unserem Land, in unsrer unmittelbaren Umgebung zu übernehmen.

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