30 Jahre, 30 Mitglieder: Patrick Wanzek (eingetreten 2002)

1990 wurde der SPD-Landesverband Sachsen-Anhalt gegründet. Wir haben 30 Mitglieder aus 30 Beitrittsjahren nach ihren Motiven, Erfahrungen und Zukunftserwartungen gefragt.

Wie bist du zur SPD gekommen? 

Bei der Frage muss ich etwas ausholen. Zum Mauerfall war ich noch im Kindergarten und 1990 kam ich in die Schule. Ich habe also die ganzen Umbrüche nach der Wende aus der Perspektive eines Kindes erlebt. Wie so viele waren die meisten Mitglieder meiner Familie durch den massiven Personalabbau im Waggonbau Ammendorf, bei Buna oder der MaFa Halle betroffen. Sprich: Es wurde viel und heiß bei Familientreffen diskutiert. Ich erinnere mich, dass mein Urgroßvater, der nun vom Kaiserreich bis zur BRD alle Staatsformen Deutschlands des 20. Jh. erlebt hat, bei einer solchen Diskussion zu mir gesagt hat: „Sieh, die diskutieren nur, aber deine Generation kann auch etwas verändern, wenn ihr euch engagiert.“ Das habe ich mir immer zu Herzen genommen.

Ein weiterer Aspekt, warum ich mich politisch engagiere ist, dass ich von meinen Eltern dazu erzogen wurde, nicht nur an mich zu denken, sondern auch anderen zu helfen und sich für diejenigen einzusetzen, die das nicht selbst können.

Dass ich nun zur SPD gekommen bin, liegt daran, dass ich schlecht gemachte Bildungspolitik selbst erleben oder durch Cousinen und Cousins erleben musste: Einführung des Abiturs nach 13 Jahren; überhastete Einführung der Förderstufe (gemeinsames längeres Lernen bis zur 6. Klasse); Abschaffung der Förderstufe; Einführung der flexiblen Schuleingangsphase, die bis heute nicht von allen Schulen so gelebt wird, wie gedacht; Umsetzung von Inklusion, ohne die Schulen darauf vorzubereiten u. v. m.

Nachdem dann 2002 die CDU und die FDP die Landtagswahlen gewonnen hatten und wieder Veränderungen am Schulsystem vorhatten, war für mich der Punkt erreicht, an dem ich etwas unternehmen wollte.

Dies SPD mit ihrer Idee vom gemeinsamen längeren Lernen und vom Aufteilen nach Gymnasium und Sekundarschule erst ab der 9. Klasse war für mich da die richtige Partei.

Was war für dich das wichtigste politische Ereignis?

Das ist eindeutig die Einführung der Gemeinschaftsschule in Sachsen-Anhalt im Jahr 2013.

Wie siehst du die Zukunft der SPD?

Wenn wir aufhören, uns von Umfragen und Pressestimmen „jagen“ zu lassen, und aufhören, uns dauernd mit uns selbst, sei es bei Personalfragen oder sei es mit den ewigen Richtungsstreits, zu beschäftigen, sondern entsprechend unserer Grundsätze Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität die aktuellen politischen Probleme angehen, aber auch die Zukunftsthemen entsprechend durchdenken bzw. konzipieren, dann mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft der SPD.

Foto: Ramona Meinhardt